Neubau als Kapitalanlage in Wiesbaden: lohnt der Aufschlag?
Neubaupreis gegen Bestandspreis in Wiesbaden, und was die Abschreibung ändert. Alle Zahlen aus geprüften Primärquellen, mit Angabe der Grundlage.
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Neubau als Kapitalanlage in Wiesbaden: das Wichtigste
Neubau kostet in Wiesbaden rund 7.000 € pro m², Bestand 4.296 €. Das ist ein Aufschlag von etwa 63 %. Bei gleicher Miete drückt dieser Aufschlag die Bruttorendite entsprechend: aus 4,1 % im Bestand werden im Neubau grob 2,5 %.
Was den Aufschlag steuerlich zum Teil zurückholt, ist die Abschreibung. Für Gebäude mit Fertigstellung ab 2023 gilt eine lineare AfA von 3 % statt 2 %, und für begünstigte Neubauprojekte mit Baubeginn bis zum 30.09.2029 kommt die degressive Option von 5 % hinzu. Auf einen Gebäudeanteil von 80 % einer 70-m²-Neubauwohnung zu 490.000 € sind 3 % rund 11.760 € pro Jahr, die das zu versteuernde Einkommen mindern, ohne Geld zu kosten.
Dem stehen echte Vorteile gegenüber: keine Instandhaltungsstaus, kein Sanierungsrisiko nach GEG, niedrigere Betriebskosten und eine Zielgruppe, die dafür zahlt. Der Preis dafür ist die längere Amortisation und, bei Kauf vom Bauträger, das Fertigstellungsrisiko.
Der Markt in Wiesbaden in Zahlen
Wiesbaden (Hessen) hat 300.089 Einwohner. Bestandswohnungen liegen im Mittel bei 4.296 € pro m² (Spanne nach Stadtteil etwa 2.796 € bis 7.997 € pro m²), Neubau bei rund 7.000 € pro m². Die durchschnittliche Angebotskaltmiete beträgt etwa 14,74 € pro m², woraus sich eine Bruttomietrendite von rund 4,1 % ergibt.
Preisentwicklung: +0,4 % gegenüber dem Vorjahr. Auf die 70-m²-Referenzwohnung gerechnet sind das 1.203 € Wertveränderung im Jahr.
Leerstand: rund 1,7 %, Quelle unten. Das entspricht der üblichen Fluktuationsreserve eines funktionierenden Marktes.
Wo in Wiesbaden kaufen
Die Nachfrage der Kapitalanleger konzentriert sich auf Nordost, Sonnenberg, Südost, wo sich am schnellsten vermieten lässt und der Wert am ehesten Bestand hat. Wer auf Rendite statt auf Lage optimiert, schaut auf Biebrich, Schierstein, Dotzheim: dort liegen die Einstiegspreise niedriger und die Bruttorenditen höher, bei spürbar mehr Verwaltungsaufwand.
Nordost: 3.236 € bis 8.026 € pro m², im Mittel rund 31 % über dem Stadtmittel. Die Spanne innerhalb des Viertels beträgt 148 %, Lage und Zustand entscheiden hier also mehr als der Stadtteilname.
Sonnenberg: 3.542 € bis 9.492 € pro m², im Mittel rund 52 % über dem Stadtmittel. Die Spanne innerhalb des Viertels beträgt 168 %, Lage und Zustand entscheiden hier also mehr als der Stadtteilname.
Südost: 4.021 € bis 7.938 € pro m², im Mittel rund 39 % über dem Stadtmittel. Die Spanne innerhalb des Viertels beträgt 97 %, Lage und Zustand entscheiden hier also mehr als der Stadtteilname.
Biebrich: 3.380 € bis 6.813 € pro m², im Mittel rund 19 % über dem Stadtmittel. Die Spanne innerhalb des Viertels beträgt 102 %, Lage und Zustand entscheiden hier also mehr als der Stadtteilname.
Schierstein: 3.699 € bis 6.249 € pro m², im Mittel rund 16 % über dem Stadtmittel. Die Spanne innerhalb des Viertels beträgt 69 %, Lage und Zustand entscheiden hier also mehr als der Stadtteilname.
Dotzheim: 2.772 € bis 5.894 € pro m², im Mittel leicht über dem Stadtmittel. Die Spanne innerhalb des Viertels beträgt 113 %, Lage und Zustand entscheiden hier also mehr als der Stadtteilname.
Steuern und Kaufnebenkosten in Wiesbaden
Die Grunderwerbsteuer beträgt in Hessen 6 %. Dazu kommen rund 2 % für Notar und Grundbuch nach GNotKG, dazu eine etwaige Makler- oder Vermittlungsprovision. In der Summe liegen die Erwerbsnebenkosten üblicherweise bei 8 bis 12 % des Kaufpreises, und deutsche Banken finanzieren sie in aller Regel nicht mit.
Im Privatvermögen ist der Verkauf nach Ablauf der zehnjährigen Spekulationsfrist steuerfrei, § 23 EStG. Davor unterliegt der Gewinn dem persönlichen Einkommensteuersatz, und bereits in Anspruch genommene AfA mindert die Anschaffungskosten und erhöht damit den steuerpflichtigen Gewinn. Die AfA selbst mindert laufend die Mieteinkünfte: 2 % jährlich für Gebäude bis 2022, 3 % ab Fertigstellung 2023, dazu die degressive Option von 5 % für begünstigte Neubauprojekte mit Baubeginn vor dem 30.09.2029.
Die Mietpreisbremse ist in Wiesbaden rechtlich umstritten, die Landesverordnung wurde angegriffen und ihre Anwendbarkeit ist Stand Mitte 2026 offen. Die vorsichtigere Kalkulation unterstellt, dass sie gilt.
Daten und Quellen
Alle Zahlen im Juli 2026 gegen Primärquellen geprüft. Angebotspreise liegen üblicherweise 5 bis 15 % über den beurkundeten Kaufpreisen: wo beides vorliegt, ist die Grundlage jeweils benannt. Die Quellen sind im Original benannt, so wie ihre Herausgeber sie führen.
Einwohner: Landeshauptstadt Wiesbaden, Amt für Statistik und Stadtforschung (Melderegister, Januar 2025), 2025.
Kaufpreise: immowelt Price Map (asking prices, July 2026; Gutachterausschuss notarised resales 2024: 3,757 EUR/m2), 2026.
Mieten: wohnungsboerse.net Mietspiegel Wiesbaden (asking cold rents, May 2026), 2026.
Rendite: eigene Berechnung aus Kaufpreis und Miete.
Preistrend: immowelt Preisentwicklung Wiesbaden 2017-2026, 2026.
Leerstand: CBRE-empirica-Leerstandsindex (marktaktiver Leerstand 2022), cited in Landeshauptstadt Wiesbaden Stadtanalyse Immobilienmarkt und Mietpreise, 2023.
Häufige Fragen
Was kostet Neubau in Wiesbaden pro Quadratmeter?
Rund 7.000 € pro m², gegenüber 4.296 € im Bestand. Der Aufschlag beträgt damit etwa 63 %.
Welche Abschreibung gilt für Neubau?
Bei Fertigstellung ab 2023 linear 3 % jährlich statt 2 %. Für begünstigte Projekte mit Baubeginn bis 30.09.2029 besteht zusätzlich die degressive Option von 5 %. Abgeschrieben wird immer nur das Gebäude, nie der Grund und Boden.
Wie hoch sind die gesamten Kaufnebenkosten in Wiesbaden?
6 % Grunderwerbsteuer in Hessen plus rund 2 % Notar und Grundbuch, dazu eine etwaige Provision. In der Summe üblicherweise 8 bis 12 % des Kaufpreises, aus Eigenkapital zu tragen.
Welche Mietrendite ist in Wiesbaden realistisch?
Brutto im Mittel 4,1 %, in renditeorientierten Lagen wie Biebrich, Schierstein, Dotzheim höher, in Spitzenlagen wie Nordost niedriger. Netto bleibt nach nicht umlagefähigen Kosten deutlich weniger.
Wann kann ich in Wiesbaden steuerfrei verkaufen?
Im Privatvermögen nach zehn Jahren Haltedauer, § 23 EStG. Innerhalb der Frist wird der Gewinn mit dem persönlichen Steuersatz belastet, und die genutzte AfA erhöht ihn zusätzlich, weil sie die Anschaffungskosten mindert.
Wie viel Eigenkapital verlangt die Bank?
Bei Steuerinländern üblicherweise 10 bis 20 % des Kaufpreises, zusätzlich zu den Kaufnebenkosten, die separat aus Eigenkapital kommen müssen. Bei einer 70-m²-Wohnung in Wiesbaden zu 300.720 € sind das 60.144 € Anzahlung plus 24.058 € Nebenkosten.
